Es ist Zeit

Wusstet ihr, dass man unreife Papayas wie Äpfel essen kann?

Eigentlich wollte ich endlich mal die vielen Anekdoten zum Besten geben, die sich in den letzten Monaten ereignet und angesammelt und das schwülheiße Leben in dieser insgesamt doch eher unattraktiven Stadt so viel bunter und vergnüglicher gemacht haben.

Nun ist aber wieder mal Lights out, Stromausfall, und die Laptopbatterie, ihr wisst schon.

Komisch ist das. Mein Rucksack steht gestriegelt und gepackt neben mir. Das Zimmer ist fast leer. Viel besitze ich hier ja auch nicht. Gestern Abend war ich noch beim Poetry Slam, danach haben wir getrunken und getanzt. Zu früher Stunde habe ich mich dann von ein paar Freunden verabschiedet. Verabschiedet für dreieinhalb Wochen!

Zeit nimmt hier einen anderen Stellenwert ein. Alles geht viel schneller, nichts ist von Dauer.

Alles ist in Bewegung.

Die Leute kommen und gehen, Freundschaften entstehen, vergehen.

Constant change and movement.

So sprießen die Verkaufsstände wie Pilze aus dem Boden, um tags darauf wieder leere Straßen zu hinterlassen. Das Stadtbild verändert sich, mit jedem Tag, die Menschen verändern sich, mit jeder Minute. Sie werden verschluckt, genau wie ich, um nach einiger Zeit wieder ausgespuckt zu werden. Oder auch nicht.

„Long time“, sagt meine Nachbarin. „Have you been travelling?“ – Nein. Aber heute Abend geht es los.

Wohin? Ich hab keine Ahnung. Zum Planen hatt ich keine Zeit. Was ist Zeit? Es ist Zeit! The time is now. Ich lebe im Jetzt. So sehr wie wahrscheinlich noch nie zuvor in meinem Leben. Mit wem? Mit Fremden, mit Bekannten, mit Freunden, mit Geliebten. Es sind doch alles Menschen…

Mit Bekannten verkehrt man, ab und zu und immer wieder. Mit Geliebten lebt man, ununterbrochen, zumindest in Gedanken, hab ich gelesen.

Jemand Geliebtes zu vermissen ist schlimm, dachte ich früher.
Jemand Geliebtes zu haben, den man vermissen kann, ist schön, dachte ich dann.
Heute denke ich, dass man Geliebte gar nicht zu vermissen braucht, da man sie in Gedanken immer bei sich haben kann. Man muss Erfahrungen nicht immer teilen, nicht immer mitteilen, um zu lieben, um zu leben.

Heute Ghana, morgen Kenia, übermorgen Äthiopien. So lebe ich mit mir für mich im Jetzt. Ich gehe meine Schritte, mit euch in Gedanken.

„If you get far enough away, you´ll be on your way back home“, sagt Tom Waits und ich spüre, dass jeder meiner Schritte ein weiterer Schritt auf meinem Weg nach Hause ist.

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