Malaria

Ich schätze ich bin einfach nicht gut im Kranksein.

Meistens will ich es nicht wahrhaben, dass ich krank sein könnte. Wenn ich es mir irgendwann doch eingestehen muss, dann fühlt es sich wie eine Art Versagen an. Unbewusst bin ich vielleicht enttäuscht von meinem Körper, fühle mich von ihm im Stich gelassen und leide unter meiner eigenen Machtlosigkeit der Krankheit gegenüber. Ich glaube der Genesungsprozess an sich, das schiere Warten auf Besserung, widerstrebt einfach meiner grundsätzlichen Lebenseinstellung. Gibt es ein Problem, so gibt es normalerweise auch immer etwas, was man tun kann, um dieses Problem zu lösen. Bei Krankheiten hingegen besteht der Lösungsweg gerade im Nichtstun. Ich versuche also geduldig abzuwarten.

Tag drei der Malaria.

Die qualvollen und tränenreichen Stunden der Bauchschmerzen und Krämpfe sind vorüber, die Medikamente zeigen ihre Wirkung und ich fühle mich stark genug mich immer wieder für einige Zeit im Bett aufzusetzen. Ein Glück, dass Heike, meine Chefin mir geraten hat direkt einen Test machen zu lassen. Ich wäre einfach nach Hause gegangen, um mich auszuruhen, dachte die Symptome aus Asien zu kennen und einordnen zu können. Dank Heike und der frühzeitigen Diagnose wurde ich also vor schlimmeren Qualen bewahrt und glaubt mir, auch diese leichte Malaria ist wirklich kein schönes Erlebnis.

Noch nicht mal drei Wochen bin ich hier und schon habe ich also die Ehre auf den Geschmack der Tropen und ihrer Tücken zu kommen. Unglücklich, da das Ritual mit dem Mückenspray doch einen festen Platz in meinem Tagesablauf hat und ich mich zum Schlafen immer unter den sicheren Schleier meines Mückennetzes begebe. Auf der anderen Seite ist Malaria hier relativ normal und ich kenne kaum jemanden, der nicht früher oder später, einmalig oder regelmäßig das Vergnügen damit hat. Das gilt für Ausländer, genauso wie für die lokale Bevölkerung.

Trotzdem ist es nicht leicht, wenn man nach einer solchen Diagnose mit ein paar Medikamenten in der Tasche mit dem Taxi nach Hause fährt, um sich alleine in sein Bett zu verkriechen. But that´s part of the game, dachte ich, wenn ich mir schon einbilde in meinem Leben auch mal etwas ganz alleine machen zu müssen. Es dauerte nicht lange, bis ich mir mit diesem Gedanken lächerlich vorkam. Schließlich habe ich schnell gemerkt, dass es immer und überall Leute gibt, die für einen da sind und ich war überwältigt von den Anrufen, von dem Besuch, von dem Glück in dieser kurzen Zeit bereits so viele gute Menschen getroffen zu haben.

Nach der Übelkeit der letzten Tage beiße ich gerade genussvoll in eine Scheibe Toastbrot. Der Geschmack der Tabletten erinnert mich an Juicy Fruit, die Kaugummis von früher.

Ihr seht, ich bin schon fast wieder gesund…

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s